30.06.2016

Zur Abstimmung des Luzerner Kantonsrats: «Die Salle Modulable ist gescheitert - das Theater soll leben!»

Der Luzerner Kantonsrat sagt nein zum Projektierungskredit von sieben Millionen Franken für die Salle Modulable. Das bedeutet den endgültigen Abschied vom Traum eines so teuren wie flexiblen Musiktheaterhauses neben dem KKL und den Verzicht auf ein über Jahre hin kontrovers diskutiertes, wechselweise angebotenes und zurückgezogenes Geschenk von ursprünglich 120, heute noch 80 Millionen Franken. Selbst ein Ja des Grossen Stadtrats zum Baurechtsvertrag und einem Projektierungskredit von drei Millionen Franken wird das Blatt wohl nicht mehr wenden: Es fehlen, neben den zwei Millionen Franken, welche Private an die Projektierung beisteuern sollen, die sieben Millionen, die der Kanton verweigert. Die Stadtluzerner Stimmbürger werden Ende November nicht mehr zur Salle Modulable auf dem Inseli befragt, das erübrigt sich. Ob die hochgreifende Vision eine Mehrheit gefunden hätte, bleibt ungewiss und die Frage offen, wie mutig sich die Luzernerinnen und Luzerner für die Zukunft ihrer Kultur engagieren würden. Hohe Kosten und Risiken, die diktierten Vorgaben seitens des Millionenspenders und viele Ungewissheiten, was die inhaltliche Seite des Projekts anbelangt, lösen Verständnis für den Entscheid aus und halten das Bedauern über das Scheitern einer nie richtig auf den Boden gebrachten – je nach Standort und Optimismus – Illusion oder Chance leider in Grenzen.


Was aber nun?  Nicht gescheitert sind die Überlegungen und Pläne eines neuen Theaters (NTL) für Luzern: ein Zusammengehen des Luzerner Theaters mit der freien Szene, ein konstruktives Miteinander von etablierter und alternativer Kultur. Und nicht vom Tisch ist die Tatsache, dass das Theater an der Reuss in die Jahre gekommen ist und in den nächsten Jahren dringend saniert oder ersetzt werden muss.


Die IG Kultur Luzern hält nichts von Klageliedern über einem Scherbenhaufen. Ohne Frage hätte die Salle Modulable eine grosse Chance für die Luzerner Kulturszene bedeuten können, das wird auch bereits mit ersten Koproduktionen der verschiedenen Akteure ersichtlich.  Vorreiterrolle, Diversität und spannende Inszenierungen, sprich eine tolle Entwicklung für alle Szenen und den Standort hätten ein Ziel sein sollen und können. Dass der Kantonsrat dieses Vorhaben finanziell nicht unterstützen möchte, ist ohne Frage bedauerlich, doch es ist ebenso verständlich und nachvollziehbar. Das bedeutet jedoch längst nicht, dass das bisher Erreichte, also die begonnene Annäherung, die gemeinsamen Produktionen und die Entwicklung der Kulturlandschaft, somit ebenfalls aufzugeben ist. Im Gegenteil kann man sich jetzt auf ursprüngliche Überlegungen besinnen, grundlegende Gedanken zur kulturellen Entwicklung haben bereits einmal stattgefunden mit der Kulturagenda 2020, die jetzt eine gute Basis schaffen kann. Mit aller Kraft wird die IG Kultur Luzern sich dafür einsetzen, dass jetzt unverzüglich Gespräche und Planungen einer dauerhaften Lösung für Luzerns Theaterzukunft aufgenommen werden. Die IG Kultur Luzern will und wird mitarbeiten und –diskutieren, um das professionelle Kulturangebot in Luzern und der Zentralschweiz voranzubringen. Jetzt ist ein Zeitpunkt, um an den aus unserer Sicht relevanten und kritischen Punkten anzusetzen, den tatsächlichen Bedürfnissen: Welches Theater will Luzern, in was für einem Haus und zu welchem Preis?


Dies sind die Fragen, die jetzt geklärt werden müssen, mit allen Beteiligten und in aller Transparenz. Im Scheitern steckt eine Chance: Nehmen wir sie wahr!

 

IG Kultur Luzern

Eva Laniado Barboza, Geschäftsführerin
Urs Bugmann, Vorstand

©IG Kultur Luzern