07.05.2016

Salle Modulable in Luzern – Gross genung

Natürlich sind die Einwände rasch vorgebracht, und auf jeden der drei übriggebliebenen möglichen Standorte zielt eine Abwehr-Initiative – also auch auf die jetzt auserkorene Südspitze des Inseli. Die Salle Modulable steht im scharfen Gegenwind, die 200 Millionen Franken Baukosten, zwei Drittel des für die nächsten drei Jahre angekündigten kantonalen Luzerner Sparpakets, tragen das ihre dazu bei, so gut wie die auf 31 Millionen Franken veranschlagten Betriebs- und Spielkosten für das heute 24 Millionen Franken beanspruchende Luzerner Theater in einem neuen und formidablen Haus.
 

Die Frage ist nicht länger, ist das geplante Haus gross genug für Luzern, sondern vielmehr, ob Luzern für diese Salle Modulable gross genug ist. Sich mit grosser visionärer Geste in die Zukunft zu wagen ist das eine, die realistischen Dimensionen dabei nicht aus den Augen zu verlieren das andere. Der Steilpass ist vorgelegt, Bevölkerung und Interessierte sollen den Ball jetzt im Dialog abnehmen und übers Feld spielen.
 

Es wird sich rasch zeigen, dass um Standort und Kosten weiter gestritten wird, und es wird zu mancherlei Geplänkel bis weit in den Strafraum kommen, bei denen das eigentliche Spielgeschehen auf der Strecke zu bleiben droht. Das Eigentliche ist die Frage nach dem Inhalt, danach, wie (und von wem) dieses teure und technisch ausgeklügelte Luxusspielzeug genutzt werden soll, auf der Produzenten- nicht weniger als auf der Konsumentenseite. Künstlerische Akteure auf höchstem internationalen Niveau, lokale und regionale Player wie das Luzerner Theater, das ein neues Haus braucht, und die freie Szene, die sich darin womöglich so verloren fühlen wird wie Hänsel und Gretel im tiefen Wald: Es werden Welten aufeinandertreffen.
 

Nichts gegen solche Konfrontationen und auch nichts gegen den internationalen Horizont, den man als Richtlinie anvisieren darf und soll. Vor allem und zuallererst aber gilt es, darüber Gewissheit zu erlangen, welchen Stellenwert das eigene Gewachsene haben soll, das Luzerner Theater und die hiesige freie Szene, sie sei nun ferner oder näher an der etablierten Institution.
 

Gut möglich, dass ein grossartiges neues Haus für Aufschwung sorgt, nicht undenkbar, dass die Akzeptanz weiterhin je spärlicher wird, je experimenteller sich die Inhalte in der High-tech-Schatulle darbieten. Die Luzernerinnen und Luzerner, wir Mitgestalter der kulturellen Szene kommen nicht darum herum, nicht einzig über die Kosten und den Standort, diese jetzt aus dem Sack gelassene Katze zu diskutieren, sondern vor allem auch über den Charakter dieses Tiers, darüber, was uns das Theater wert ist, welche Hoffnungen und Erwartungen wir darein setzen. Machen wir uns nichts vor: Wir hier vor Ort, nicht das internationale Publikum werden es beleben und füllen – als Akteure so gut wie als Zuschauer in den vielfach veränderbaren Räumen dieser Salle Modulable.
 

Urs Bugmann, Vorstand IG Kultur Luzern

©IG Kultur Luzern