Aus zwei mach eins – besser nicht!

Die IG Kultur Luzern hat als grösste Interessenvertretung der Kultur in Luzern zum Vernehmlassungsentwurf über den Zusammenschluss des Natur-Museums und des Historischen Museums und zu Änderungen des Kulturförderungsgesetzes Stellung bezogen und kommt zum Schluss: Der geplante Zusammenschluss des Natur-Museums und des Historischen Museums weist zum heutigen Zeitpunkt noch zu grosse Lücken und Ungewissheiten auf.

Museen sind keine Abstellkammern. Sie sind Orte der Vermittlung und der Auseinandersetzung. Die beiden Museen des Kantons, das Historische Museum und das Natur-Museum, dienen der Vergewisserung über die Vergangenheit und Gegenwart und über den Lebensraum der Menschen. Es sind Zeit- und Erkenntnismaschinen für Besucherinnen und Besucher sämtlicher Altersgruppen. Museen gehören nicht weggespart oder zusammengekürzt, sie gehören unterhalten, gepflegt und ausgebaut. Steigende Eintrittszahlen in den vergangenen Jahren belegen das Interesse an den Angeboten, und wer die Museen besucht, erfährt lebendigen Umgang mit Zeit und Wissen. Umso rasanter Zeitenwandel und Veränderung, umso galoppierender Gefährdung und Zerstörung der Umwelt vor sich gehen, umso wichtiger wird Aufklärung und Reflexion im Laborfeld des Museums, das sich als eine Zeit- und Beobachtungsinsel anbietet.

Ungenügende Grundlagen für Fusionen

Der Kanton Luzern will mit der Änderung des Kulturförderungsgesetzes den Zusammenschluss des Historischen und Natur-Museum Luzern verankern und damit die Grundlagen für ein neues «Luzerner Museum für Natur, Geschichte und Gesellschaft» legen. Die IG Kultur Luzern steht dieser Weiterentwicklung grundsätzlich positiv gegenüber. Jedoch bedarf eine Zusammenlegung der Museen einer wohlüberlegten langfristigen Strategie – gerade für die angestrebte dezentrale Ausrichtung des Museumbetriebs. Das in der Vernehmlassung skizzierte Konzept wurde in einer Zeit erarbeitet, als die Regierung des Kantons Luzern sich die Museen als Sparobjekt vorgenommen hatte – die IG Kultur Luzern hatte sich in der Vergangenheit bereits kritisch dazu geäussert. Zudem genügt ein Namenswechsel der Museen und die Fusion alleine nicht – wer Neues will, muss auch investieren. Andere Beispiele zeigen, dass es sich bei der Zusammenlegung von Museen um zielführende Investitionen handelt – und auch ein langfristiger neuer Museumsbetrieb mit mehr Mitteln ausgestattet werden muss.

Den Hauptaufgaben der Museen Rechnung tragen

Museen haben drei Hauptaufgaben: Sammeln, Forschen und Vermitteln. Sammlungs- und Forschungstätigkeit sowie Vermittlung setzen entsprechendes Fachwissen; eine Fusion von zwei fachlich so verschiedenen Museen ergibt deswegen wenig Sinn. Ein Natur-Museum braucht Naturwissenschaftlerinnen, ein Historisches Museum Historiker, Kunsthistorikerinnen und Volkskundler. Auch themenübergreifende Ausstellungen erfordern die Zusammenarbeit von Spezialistinnen und Spezialisten beider Fachrichtungen. Dabei sollen die bereits gereiften Synergien und die fachliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Museen sinnvoll gefördert und weiterhin ermöglicht werden.

In den Erläuterungen zur Vernehmlassungsbotschaft hält der Regierungsrat fest, dass weder das Museumskonzept noch das Bauprojekt Gegenstand der Gesetzesänderung seien. Jedoch hat er klar betont und öffentlich kommuniziert, dass das Zeughaus Musegg neuer Museumsstandort sein soll. Die IG Kultur Luzern steht diesem Vorhaben zurückhaltend gegenüber. Der Standort des Zeughauses Musegg wirft viele Fragen auf: Wir erachten etwa die Zugänglichkeit als suboptimal, zudem ist aus unserer Sicht die Reduktion der Ausstellungsflächen ebenfalls fragwürdig.

Fazit: Projekt sistieren?

Die beiden Museen sind das Herzstück einer städtebaulich schwierigen Schnittstelle. Sie machen den Kasernenplatz zu einem attraktiven Begegnungsort. Die IG Kultur Luzern vertritt die Meinung, dass die konzeptionellen und strategischen Arbeiten nicht durch starre Rahmenbedingungen, Standortwahl oder Museumsfusion gehindert werden sollen. Der geplante Zusammenschluss des Natur-Museums und des Historischen Museums weist zum heutigen Zeitpunkt also noch zu grosse Lücken und Ungewissheiten auf, weshalb die IG Kultur Luzern die geplante Gesetzesänderung zum heutigen Zeitpunkt als nicht zielführend erachtet und die Gesetzesänderung ablehnt.

Gianluca Pardini, Geschäftsleitung IG Kultur Luzern

Urs Bugmann, Präsident IG Kultur Luzern


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