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Neuste Technik im «Südpol»

Eine stabile Betriebsstruktur soll inhaltliche Experimente möglich machen. Und: Nicht die Grösse der Säle, sondern ihre technische Ausrüstung ist entscheidend. Neues vom «Südpol».

«Version 2.02» heisst der aktuelle Konzeptvorschlag für den Kulturwerkplatz Luzern-Süd, mit der die Gruppe «südpol» den öffentlichen Wettbewerb gewonnen hat (www.suedpol-luzern.ch). Es dürfte nicht die letzte Version sein: «Wie der Betrieb wirklich aussieht, steht dann fest, wenn der Vertrag mit der Stadt steht und der Trägerverein aktiv ist», sagt Urban Frye von der Gruppe «südpol»: «Das wird wohl im Herbst der Fall sein.» Auch der Stadt als Vertragspartnerin sei es wichtig, glaubt Frye, dass «zunächst eine stabile Betriebsstruktur da ist, die inhaltliche Experimente im Haus ermöglicht.» Anschliessend bestimmt der Trägerverein die «Südpol»-Leitung.

Laut Konzept entsprechen die Pläne für Gebäude und Infrastruktur zwar noch «nicht optimal dem geplanten Betrieb». Das betrifft etwa die Foyergrösse, zu kleine Büroflächen oder die verschiedenen Eingänge. Der Dialog mit der Stadt und den Architekten sei aber sehr gut, betont Frye: «Was aus ihrer Sicht sinnvoll ist, dazu bieten sie auch Hand, einiges wurde bereits verbessert.» Ein Thema sei auch die Grösse der drei hintereinander angeordneten Säle, einer grossen Aktionshalle und zwei kleineren Theatersälen. «Wir hätten uns diese Räume flexibel kombinier- und vergrösserbar gewünscht», sagt Urban Frye. Das sei aber nicht möglich, weil sie einzeln vollkommen schallisoliert sein müssten um parallel laufende Veranstaltungen zu ermöglichen.

Die grosse Aktionshalle soll laut aktuellen Plänen maximal 480 Personen fassen – 70 weniger als die heutige Boa-Halle. Dies wurde von Mitbewerbern um den Kulturplatz als zu klein bezeichnet. Auch die IKU Boa stellte fest, die Halle müsse zwischen 600 und 700 Personen fassen, um weiterhin publikumsträchtige, für das finanzielle Überleben entscheidende Konzerte von Bands wie Lambchop, Calexico oder Cat Power zu ermöglichen. Laut dem verantwortlichen Architekten Andreas Moser wird derzeit tatsächlich eine Erweiterung der Halle auf 600 Personen geprüft, was mit der geplanten Fläche von 400 qm auch möglich wäre. Jedoch müssen dafür die Notausgänge verbessert werden, weshalb die Erweiterung laut Moser von der Bewilligung der Gebäudeversicherung abhängig ist.

Für die Gruppe «südpol» indes ist die Hallengrösse gar nicht derart entscheidend. Wichtiger sei die technische Ausrüstung, sagt Urban Frye: «Im Südpol muss die digitale Audio-Video-Technik auf dem neusten Stand sein.» Gemäss Konzept sollen alle Veranstaltungsräume mit Leitungen und fixen Kamerastandorten erschlossen sein, was Bands und Theaterschaffenden professionelle Ton- und Videoaufnahmen ermögliche. Laut Urban Frye wäre dies eine Novität in der Schweiz, mit entsprechender Anziehungskraft. Der Soundcheck einer Band könnte noch vor Konzertbeginn ins Internet gestellt werden, und dank einer Brennstation wären Live-Mitschnitte auf CD kurz nach Konzertende zu haben. «Die technischen Lösungen dafür sind vorhanden, und sie werden von Monat zu Monat günstiger», sagt Urban Frye. Auch die Stadt sei der Idee gegenüber offen. Zudem ist Frye im Gespräch mit Unternehmen, die ein Demonstrationsobjekt für neuste Entwicklungen daraus machen könnten: «Der Südpol würde sozusagen zum lebendigen Showroom.»

Text: Thomas Heeb
Das Kulturmagazin, Juni/Juli 2007


Das Konzept
th. Der «Südpol» soll ein breites Publikum im Alter zwischen 21 und 60 Jahren ansprechen. Denn für die kulturellen Ansprüche dieser Altersgruppe gebe es «nur wenig inspirierende Ausgangsorte», heisst es dazu im Konzept der Gruppe «südpol» (Adi Blum, Urban Frye, Hansruedi Hitz, Sabine Schweizer). In den verschiedenen Räumen sind jährlich rund 200 Veranstaltungen geplant, darunter 40 Musikanlässe mit mindestens 250 BesucherInnen. In den Sparten Theater, Tanz und Literatur sind ein bis zwei Gastspiele pro Monat von grösseren Produktionen vorgesehen; zudem sollen pro Jahr etwa fünf Co-Produktionen im Haus erarbeitet und aufgeführt werden. Neben veranstaltungsbezogenen Bars wird eine Cafeteria geführt, die tagsüber auch den anderen Nutzern des Kulturwerkplatzes (Luzerner Theater und Musikschule) sowie Passanten offensteht. In den drei Bereichen Leitung, Programm und Restauration sollen für Festangestellte 710 Stellenprozente zur Verfügung stehen; hinzu kommen bei Bedarf zahlreiche freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Initianten rechnen mit 25 000 Besucherinnen und Besuchern jährlich. Sie sollen rund 550 000 Franken Eintrittsgelder an den gesamten Aufwand von 1,42 Mio. Franken beisteuern. Vom Barbetrieb werden 70 000 Franken Ertrag erwartet, vom weiteren Betrieb 107 000 Franken pro Jahr. Das Defizit von 0,7 Mio. Franken wollen die Initianten mit dem Beitrag der Stadt (voraussichtlich 600 000 Franken jährlich) sowie der Regionalkonferenz Kultur decken.