Die Solidarität ist bezeugt, der Reigen geschlossen. Die Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern (HGK) legte sich vor dem Entscheid des Konkordatsrates zu den Masterstudiengängen in eigener Sache ins Zeug. Dabei hätte sie anderes zu tun.
Tapfer lächelnd nahm der Luzerner Bildungsdirektor und Konkordatsratspräsident Anton Schwingruber am HGK-Solidaritätsabend vom 6. März die über 30 hübsch verschnürten Pakete in Empfang. Sie enthielten 17 090 Unterschriften von Personen, die sich für die Schule einsetzen und die Petition «Pro Konschti Lozärn» für die sofortige Bewilligung der vorerst zurückgestellten Masterstudiengänge in Design und in Kunst unterschrieben haben. Die Übergabe war der Höhepunkt der Veranstaltung im KKL, dessen Stimmung ETH-Professor Werner Oechslin auf den Punkt brachte: Er könne nicht begreifen, wie man auf die Idee kommt, «eine solche Institution in ihrem Leben zu stören». Indes: Wer zahlt, soll zumindest Fragen stellen dürfen. Dies steht dem Konkordatsrat als Vertreter der Trägerkantone durchaus zu. Allerdings muss sich das Gremium auch selbst Fragen gefallen lassen. Wie vorausschauend agiert die Trägerschaft einer Schule, wenn sie erst bei der anstehenden Genehmigung den Sinn einer Studienrichtung geklärt haben will? Es hätte dem Konkordatsrat längst schon klar sein können, ja müssen, dass die HGK Masterstudiengänge anbieten muss, sofern sie überleben will. Oder die Frage, warum bauliche Investitionen verzögert werden, bis sie nicht mehr zu umgehen sind? Praktischerweise dient dieser Umstand nun als weitere Begründung für die Überprüfung der HGK-Strategie: «Wir konnten nicht Mittel in die Sanierung von Gebäuden stecken, ohne zu wissen, ob nicht darauf im Rahmen des gesamten Ausbauprojekts zugunsten von Neubauten verzichtet wird», sagt Karin Pauleweit, Vorsteherin der Gruppe Hochschulen im Luzerner Bildungsdepartement. Doch auch mit der Klärung dieser Frage hätte man nicht zuwarten müssen, bis einzelne Räume der HGK aus Sicherheitsgründen geschlossen werden müssen, weil die Decken einstürzen könnten.
Der Kampf für die Kunst.
Man kommt deshalb nicht umhin, Peter Fischer, dem Direktor des Kunstmuseums, zuzustimmen, der in seinem engagierten Votum im KKL sagte, er werde den leisen Verdacht einfach nicht los, dies alles habe auch damit zu tun, «dass es sich hier um Kunst handelt». Immerhin: Dass die HGK durch die «verordnete Selbstbespiegelung» wachgerüttelt worden sei, ist für Fischer der wohl einzige halbwegs positive Aspekt der ganzen Angelegenheit. Denn Kunstszenen vom Schlage Luzerns kränkelten «tendenziell an einer Harmlosigkeit, die nicht zuletzt auf einer Wohlstandsträgheit und damit dem Fehlen existentieller Fragestellungen gründet», sagte Fischer. Dass ein bisschen mehr Kampf ums Überleben auch der Luzerner Kunstproduktion eventuell zuträglich sein könnte, sei nicht nur sarkastisch gemeint, präzisiert er auf Nachfrage: «Aber darum geht es erst in einem zweiten Schritt. Wichtiger ist, dass sich die HGK nach der Krisenbewältigung wieder auf die Interessen ihrer Studierenden rückbesinnt und dafür sorgt, dass ihre Ausbildungsgänge wirklich so toll und wertvoll sind wie verkündet.» Dafür sollte man sich nun endlich voll und ganz den Inhalten der Masterstudiengänge widmen können, sagt Fischer: «Gerade der Master in Kunst und Vermittlung hätte das Potential zur Auseinandersetzung mit den Parametern der Kunstproduktion.»
Das Image der Schule leidet.
HGK-Rektor Nikolaus Wyss und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden sich liebend gern damit befassen. Doch stattdessen kämpfen sie ums Überleben der Schule. «Die Rechtfertigungsübungen gegenüber dem Konkordatsrat absorbieren unsere kreativen Kräfte in einem schon fast fahrlässigen und gegenüber dem Steuerzahler kaum verantwortbaren Ausmass», sagt Wyss. «Wir müssen Berichte schreiben, Statistiken herbei holen, mit einflussreichen Persönlichkeiten sprechen. Das ist sehr, sehr zeitraubend und dem Kerngeschäft nicht unbedingt förderlich, aber offenbar notwendig.» Er räumt ein, dass sich die HGK wohl zu lange in falscher Sicherheit bezüglich ihrer Akzeptanz gewähnt und gegen aussen zu wenig artikuliert habe. Doch der Spruch von der Krise als Chance ist für ihn vor allem eine zynische Plattitüde. Sollte die HGK «gestärkt und mit mehr Muskeln» daraus hervorgehen, sei das zwar positiv, aber auch dringend nötig. «Die Konkurrenz ist gross, und gerät eine Schule in die Krise, spricht sich das schnell herum.» Die Zahl der Anmeldungen – die Frist lief Mitte März ab – ging laut Wyss im Vergleich zum Vorjahr zwar nicht zurück, aber es wurden von den Kandidatinnen und Kandidaten ungewöhnlich viele Fragen in Bezug auf die Zukunft der HGK Luzern gestellt. Nicht nur imagemässig, auch bezüglich der Kooperationsverträge mit anderen Hochschulen sei die HGK ins Hintertreffen geraten. Der Zeitplan bleibe aber realistisch: Bewilligt der Konkordatsrat Ende April die Masterstudiengänge doch noch, kann damit wie geplant 2008 gestartet werden.
Text: Thomas Heeb
Das Kulturmagazin, April 2007
