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Zentralschweizer Firmen und ihr Kultursponsoring

Das Kulturmagazin wollte von den 25 grössten Arbeitgebern in der Zentralschweiz wissen, wie und mit welcher Strategie sie im Kultursponsoring tätig sind. Das Ergebnis ist in mehrfacher Hinsicht ernüchternd: Das Engagement ist, wie Kulturschaffende immer wieder erfahren, in der Gesamtheit eher gering, Konzepte bestehen deshalb nur in wenigen Fällen. Und vor allem scheinen einige Unternehmen in Ihrer Kommunikation unverständlich zurückhaltend (einige antworten nicht einmal). Der Höhepunkt: Emmi lässt durch eine Assistentin der Konzernkommunikation mitteilen: «Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir auf eine Zusammenarbeit verzichten möchten. Wir bedauern, Ihnen keinen besseren Bescheid geben zu können und danken Ihnen für Ihr Verständnis.». Auch eine Nachfrage half nichts.

 

 

Die Fragen:
1. Wie viel investieren Sie 2004/2005 ins Sponsoring von Kulturanlässen?
2. Welche Kultursparten/Veranstaltungsformen unterstützen Sie?
3. Welches sind die wichtigsten kulturellen Veranstaltungen, die Sie unterstützen?
4. Welches sind die wichtigsten Gegenleistungen, die Sie von den VeranstalterInnen erwarten? Welchen Nutzen erwarten Sie für Ihr Unternehmen?
5. Besteht ein Konzept für Kultursponsoring? Nach welchen Kriterien wählen Sie aus?

 

 

Luzerner Kantonalbank
1. keine Auskunft, Kultursponsoring macht 21 % des Sponsoring-Budgets aus
2. Veranstaltungen im Kanton Luzern, sowohl städtische wie regionale Anlässe. Eigene Sammlung zeitgenössischer Kunst.
3. Lucerne Festival, Kunstmuseum Luzern, Luzerner Theater
4. Kundenanlässe, Kundenpflege
5. Sparten (Musik, Kunst, Theater), Regionen

 


Genossenschaft Migros Luzern
1.
2004: 880 000 Fr., 2005: 900000 Fr.
Im Jahre 2004 unterstützte die Genossenschaft Migros Luzern im Rahmen des Kulturprozents insgesamt mit rund 5,5 Millionen Franken die aktive Lebensgestaltung in der Zentralschweiz. 3,84 Millionen flossen in die Bildung (Klubschulen).
2. Das Kulturprozent ist offen für alle Kultursparten und Veranstaltungsformen. Zur Förderung junger Künstler besteht ein spezielles Konzept.
3. Im Jahre 2004 haben wir klassische Konzerte, Musicals, Openair Festivals, Theaterproduktionen, Rock- und Popkonzerte usw. unterstützt. Mehrere Hundert Veranstalter und Kulturschaffende haben vom Engagement der Migros profitiert. Eine spezielle Gewichtung ist nicht möglich. Gemäss Leitbild verpflichtet sich die Migros seit Jahrzehnten, nicht nur in günstiger Weise Waren und Dienstleistungen zu vermitteln, sondern auch kulturelle, soziale und wirtschaftspolitische Leistungen zu erbringen. Diese Verpflichtung der Migros, bekannt unter der Bezeichnung Migros Kulturprozent, ist für ein privatwirtschaftliches Unternehmen einzigartig.
4. Wir erwarten, dass unser Engagement in den Publikationen der Veranstaltung erwähnt wird.
5. Ja, es besteht ein Konzept. Mit dem Kulturprozent unterstützt die Migros das Kulturschaffen, die Kulturvermittlung und die Kulturerhaltung in der Zentralschweiz. Mit ihrem Engagement zielt sie auf Vielfalt und Breite: Sie unterstützt Bestehendes und Bewährtes, trägt aber auch zur Entstehung und Entwicklung von Neuem. Es werden kulturelle Institutionen unterstützt, welche nicht selbsttragend, gewinnorientiert oder kommerziell tätig sind.

 

 

RUAG Aerospace

1. 2004: 30 000 Franken
2. Musikanlässe und Musikproduktionen (CD), Aviatik bezogene Veranstaltungen
3. Spezialausstellung (Verkehrshaus), Betriebsmusiktreffen (4. Juni 2005)
4. Saubere, authentische Präsentation unseres Erscheinungsbildes (Logos, Plakate), prominente Präsentationsplätze, Comittement mit den Standortregionen.
5. Nicht speziell für Kultur. Wir fassen den Begriff weit.

 


Die Schweizerische Post
1. keine Auskunft
2. Pointierte Ausrichtung auf die Sparte Film, Festivals, Messen, Museum für Kommunikation
3. Filmfestival Locarno (Logistikpartnerin), Solothurner Filmtage (Hauptsponsorin), Salon inernational du livre et de la presse (Hauptsponsorin), Museum für Kommunikation: Die Post ist in der Trägerschaft der Stiftung vertreten, Paul Klee Museum (Gründungspartnerin), Cinématte Bern
4. 1) Plattformen für kommunikative Umsetzung: Die Image-Dimension „vielseitig“ soll gestärkt, bzw. zu stabilisiert werden. Die Zielgruppe für alle Zielsetzungen auf der Image-Dimension stellt die breite Öffentlichkeit dar. 2) Hospitality-Plattformen Plattform primär für die Zielgruppe „Geschäftskunden“.
5. Es besteht ein Sponsoring-Konzept, welches auch die anderen Sponsoring-Bereiche (bspw. Sport oder Sozio) umfasst. Entsprechend bestehen generelle Anforderungskriterien für Engagements: Unterstützung der Sponsoring-Positionierung, Prinzip von Leistung und Gegenleistung, wirksame visuelle Präsenz der Marken und kommunikative Umsetzbarkeit, angemessene geografische und sprachliche Verteilung (nationale Engagements), ausgeglichene zeitliche Verteilung der Sponsoringmittel im Jahresverlauf.

 

 

Dätwyler Holding AG
1.
2004: 130'000 CHF, 2005: 150'000 CHF; jeweils 40% des gesamten Sponsoring-Budgets
2. Alle, keine Konzentration auf einzelne Sparten.

3. Festival Alpentöne, Altdorf, Freilichtspiele "D'Gotthardposcht" Andermatt, Kunsthaus/Kunstverein Uri, Theater Uri, Tellspielgesellschaft.
4. Als Stiftung sind wir bei den Gegenleistungen weniger fordernd. Kultursponsoring in Zusammenarbeit mit der Dätwyler Holding AG und der Dätwyler AG zur Förderung der Öffentlichkeitsarbeit insbesondere im Kanton Uri.
5. Förderung gemeinnütziger Bestrebungen in den Bereichen Kunst, Baukunst, Brauchtum; Bildungs-, Erziehungs- und Ausbildungswesen; Natur, Geistes- und Sozialwissenschaften; körperliche Ertüchtigung sowie Natur-, Heimat- und Umweltschutz mit Schwerpunkt im Kanton Uri.
Kriterien: Veranstaltungen und Institutionen, die zur Förderung der Kultur im Knaton Uri beitragen. Kunstförderung und Pflege des Werks von Heinrich Danioth.


 

Weitere Antworten


Siemens Schweiz AG
ist im Moment daran, das Sponsoringkonzept zu überarbeiten. In der Kultur engagiert sich die Firma nicht stark - momentan vor allem mit dem Opernhaus und der Tonhalle Zürich.
Trisa hat kein Sponsoring-Etat, unterstützt regelmässig im In- und Ausland Zahnprophylaxe-Programm mit einigen Hunderttausend Gratiszahnbürsten für Kinder in ärmeren Regionen. Kultursponsoring betreibt Trisa in kleinem Rahmen und punktuell, 2003 zum Beispiel das Kunstmuseum Luzern mit 5000 Franken. «Als mittelständiges Unternehmen im Luzerner Surental richten sich unsere Prioritäten in erster Linie auf Standort- und Arbeitsplatzsicherung in unserer von Industrie nicht stark besiedelten Region.“
Kaum oder gar nicht im Kultursponsoring tätig sind die Charles Vögele Gruppe (v.a. Spenden im Sozialbereich), Victorinox (vorwiegend Sport).