Nur noch ein kleines, schnelles, eines über den Durst hinaus soll es sein, schliesslich muss man ja morgen wieder, also nur noch dieses eine kleine, das geht schon noch rein, klar, wäre ja gelacht, wenn man das nicht mehr vertragen würde, aber dann ist Schluss, schliesslich ist man ja kein Beizenhöcker, keiner von denen, deren Ellbogen von Geburt an verschränkt waren, deren Gesicht immer so gefährlich gegen die Tischplatte plampet, auch keiner von den tischbeingefesselten Weltverbesserern, gut, wenn man es genau nimmt, sitzt man stattdessen einfach zuhause vor dem Fernseher und klagt über die gleichen Rückgratschmerzen und ist gottenfroh, wenn man in die Beiz kommt und diese Beizenhöcker da sind, das sind ja geradezu die verlässlichsten Kumpanen, auf die kannst du noch zählen, wenn du zuhause von allem und allen verlassen worden bist, ja, diese Beizenhöcker sind immer für einen da, das muss jetzt auch mal gesagt sein, im Grunde sollte man sie ins Parlament wählen und nicht diese Laveri, die die Hemdsärmel erst nach Feierabend zurückkrempeln, dann würden die Höcker da oben in Bern hocken und wenn man dann ein Problem hat, mit sich oder der Schweiz oder den Gringe in Brüssel, dann könnte man hingehen und die hätten immer ein offenes Ohr für einen, wenn man es sich recht überlegt, da muss sowieso wieder mal was gehen in Bern, die hocken da ja nicht mal rum und fehlen die ganze Zeit, so jetzt muss ich aber, schliesslich wird der Misthaufen nicht von alleine grösser, oh, wer hat mir das hingestellt, ach, gut, dann nehm ich das noch, danke, das ist jetzt aber wirklich das letzte, ob ich das nicht vertrage, du bist mir aber einer, früher, das waren ja noch Beizen und Partys und rauschende Künstlerfeste und intelligentes Saufen bis zum Koma hier in Luzern, ja, ja, da wurden ganze Welten nicht verändert, da sprach man noch nicht von früher, da geb ich dir vollkommen Recht, die heutige Jugend ist auch nicht mehr, was sie früher war, die wissen ja gar nicht mehr, wie man sich intellektuell die Lampe füllt, vertragen würde ich noch einige, kleine, helle, aber schliesslich muss ja morgen wieder die Marktwirtschaft in Gang gehalten werden, gut, wenn man es sich recht überlegt, ist die Beiz ja selber eine Art Marktwirtschaft, wo man im Kleinen schon mal üben kann, bestellen – konsumieren – zahlen, das hält die Welt hier zusammen, auch die Grundkommunikation ist allen zugänglich, «e Stange», «No eis», «zahle», «Isch guet so» und man ist dabei, gut, zu vorgerückter Stunde geht es dann notfalls auch ohne Worte, mit den zwei, drei typischen Handbewegungen, dann kommt natürlich das Schwierige dazwischen, wo soll man da Anfangen mit reden, Gott, die Nachbarn, die Verkehrspolitik, ja das braucht dann schon etwas Übung, aber ich habe nirgends so viel Praktisches gelernt wie in der Beiz, der Seppi hat mir mal erklärt, wie das mit dem Sonnensystem und so ist, Joe hat mich über die Vorteile der Dieselheizung aufgeklärt, und natürlich haben wir einiges erfunden, neue Velohelme mit Lüftung und Heizung, Werbeflächen auf den Verkehrsampeln, Campari bei Rot und Greenpeace bei Grün oder so, gut, vielleicht hatten wir da schon etwas auf dem Chäppeli, und wenn man da was drauf hat, auf diesem Chäppeli, dann kann es dann schon auch noch heikel werden, damit du nicht eine Schlägerei in die Fresse kriegst, da reicht dann schon, wenn du einem Beizer sagst, er sei ein Beizer und seine Beiz sei eine Beiz, und schon wirst du zusammengestaucht, weil der Beizer ein kleiner Gastrosoph ist und von Nouvelle Cuisine und all dem infiziert wurde, gut, immerhin verfetten wir dann nicht, gut, jetzt zahle ich noch eine Runde, geht alles auf mich, klar, der Joe soll auch noch einen heben, eine Runde Flämmli für alle, was, es gibt nichts mehr, aber das darf doch nicht wahr sein, jetzt bin ich doch erst gekommen und schon soll Sperrstunde sein, wo führt das alles noch hin, wenn man keinen mehr heben kann, wenn man mich fragt, wo geht man dann noch hin, da muss man ja fast zwangsläufig kriminell werden, wenn man mich fragt, ja gopferdammi het de i dere Stadt nüt meh offe, gut, was wollte man eigentlich sagen?
Überhocken Sie wieder mal.
Matthias Burki
Kulturmagazin Februar 2004